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Geschichte

Judo

Judogeschichte
Verfasser: Dirk Janitschke


„Erfunden“ wurde das Judo
von Jigoro Kano (1860-1938). Kano übte und lernte bei verschiedenen japanischen Kampfkunstschulen, den RYÛ-HA. Diese Schulen unterrichteten Kampfkünste, die zum Teil eine sehr lange  Tradition hatten und den japanischen Kriegern lehrten, auf dem Schlachtfeld in verschiedensten Situationen zu bestehen. Diese Künste wurden als Bu-Jutsu bezeichnet. (BÛ = Krieger JUTSU= Kunst) Von einigen Meistern dieser Schulen erhielt er die Erlaubnis, diese Stile zu unterrichten und auch zu verändern. (das sog. „Menkyo-Kaiden) Aus diesen Stilen entnahm er die Techniken, die er für besonders effektiv erachtete und integrierte sie in seinen neuen Stil, dem JÛDÔ. Von den alten Schulen übernahm er auch ein wichtiges Trainingswerkzeug, die sog. „KATA“. Damit wurden die wichtigsten Bewegungsprinzipien geschult und verbessert.                                                                                                                                                                                              Das Judo wird oft mit „der sanfte Weg“ übersetzt, was aber im historischen Kontext nicht stimmig ist.                              
Die Silbe „JÛ“ bedeutet auch „effektiv“ oder „rationell“ und die Silbe „DÔ“ neben „Weg“ auch „Methode“ oder „Prinzip“. Da ist also eher „ Die effektive Methode“ eine zutreffendere Übersetzung.                                                            
Nicht belegt wurde
, dass der deutsche Arzt Erwin von Bälz Kano inspiriert hätte, das Judo zu schaffen oder Ju-Jutsu zu erlernen. Bälz war Arzt am japanischen Kaiserhof und wurde in eine Kommission berufen, die festlegen sollte, wie sich japanische Studenten körperlich ertüchtigen sollten. Bälz schlug  „Ringergymnastik“ vor, da er das in den Kampfkunstschulen glaubte gesehen zu haben. Das Kano und Bälz sich kannten wird vermutet. Es ist aber nicht durch Kano`s Schriften belegt.                                             
Zu einem in Europa erschienenen Buch (Hancock
& Higashi “Das Kano Jiu-Jitsu“)  schrieb Bälz ein Vorwort und meinte, mit Prof. Kano`s Methode vertraut zu sein. Kano sagte dazu, als er während seines Deutschlandbesuchs auf das Buch angesprochen wurde, es enthalte nichts zu JÛDÔ. Bis dahin war dieses Buch zu einem Judo-Lehrbuch avanciert, nach dem Alle geübt hatten (u.a. auch Erich Rahn, der als deutscher Judovater gilt; Alfred Rhode erwähnte diese Anekdote gegenüber Judo-Kollegen oft).
1882 gründete Kano den Kôdôkan, seine erste Schule die heute noch besteht. In den Anfangsjahren der Schule wurden die Jûdôka von anderen Schulen herausgefordert, um die beste Schule bzw. Kampfkunst zu ermitteln.                                     
Kano nutze diese Zweikämpfe auch dazu, sein Jûdô zu verbessern und neue Techniken und Prinzipien zu integrieren. Es sollen aus bis zu 14 unterschiedlichen Schulen und Stilen Techniken eingeflossen sein.                            
Das ursprüngliche Jûdô enthielt auch Schlag- Tritt- und Waffentechniken.                                                                               
Zu Lebzeiten Kano`s war das Kôdôkan-Jûdô die gefürchtetste Kampfkunst Japans. Bei den Kämpfen der anderen Kampfkunstschulen gegen den Kôdôkan gab es regelmäßig Verletzte und auch Todesopfer sollen
bei der Tokioter Polizei aktenkundig geworden sein. Ein Irrglaube war es, Kano entfernte alle  gefährlichen Techniken aus dem Judo um es „Wettkampftauglich“ zu machen.   Zu Trainingszwecken und um sich beim Üben nicht übermäßig zu gefährden, schuf Kano „Übungs-Versionen“ der Techniken. Daraus entstand das heute bekannte Sport-Judo. Kano stellte grundlegende Judo-Prinzipien auf: "Sei-Ryoku-Zen-Yo" - das technische Prinzip, was soviel bedeutet wie: optimaler Einsatz von Körper, Geist und Kraft bzw. die Kraft des Angreifers zum eigenen Vorteil zu nutzen.                                                                                                                                                                                                       "Ji-Ta-Kyo-Ei" - das moralische Prinzip, was in etwa bedeutet: "Gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen"  Das bezog sich aber auf die Übenden untereinander – nicht auf den Gegner im Zweikampf. Dieses Prinzip  wurde im Judo-Sport auch für den Wettkampf übernommen.                                                                                                                                                            
Es verdeutlicht, dass der Partner nicht nur "Übungsobjekt" ist, Jemand, an dem man übt,
sondern ein Gegenüber, für das man Verantwortung entwickeln muss und für dessen Fortschritt in technischer und persönlicher Hinsicht man genauso arbeiten muss, wie für den eigenen. Ohne willig mitarbeitende Partner ist ein Judo-Studium nicht möglich. Diese Prinzipien wurden in Europa zu dem verklärt, was heute noch oft in div. Publikationen in unterschiedlicher Ausschmückung auftaucht.  Entweder ist vom „Sanften Weg“ die Rede oder vom „Siegen durch Nachgeben“ und es taucht die Anekdote vom wandernden Zen-Mönch auf, der an einer schneebedeckten Weide das Prinzip des Nachgebens entdeckt haben soll.                                                                                                         
Durch den 2.Weltkrieg ging viel Wissen verloren, da viele Jûdôka im Krieg gefallen sind und danach nur Wenige Jûdô unterrichten konnten.
In Europa wurde Judo erstmals zu Kaiserzeiten bei einem japanischen Flottenbesuch in Deutschland gezeigt.  Zuerst wurde es als „Orientalisches Ringen“ bezeichnet und der deutsche Kaiser fand Gefallen daran. Er ordnete an, dass diese Kunst den Marinesoldaten für den Nahkampf beigebrachte werden sollte. Es gewann langsam an Popularität, auch weil Kano nach Europa reiste und Deutschland 1933 besuchte und  „Werbung“ machte. Der 2.Weltkrieg bedeutete auch hier eine Zäsur u.a. weil Jûdô nach dem Krieg in Deutschland und Japan verboten war. Nach Aufhebung des Verbotes entwickelte sich das Judo wieder und einige Lehrer vom Kodokan besuchten regelmäßig Europa. So zum Beispiel Mikonosuke Kawaishi, der besonders in Frankreich sehr populär ist. Ein weiterer Schüler Kano`s, Tokio Hirano kam oft nach Deutschland und begründete hier die Tradition der Judo-Sommerschule. Ein anderer Schüler Kano`s,  Mitsuyo Maeda unterrichtete den Brasilianer Helio Gracie in Kôdôkan Jûdô. Daraus entstand eine weitere Judoform, das „Brazilian-Jiu-Jitsu“. Auch schon zu ganz frühen Zeiten des Kôdôkan gab es Schüler, die das Jûdô weiter verbreiteten. Hier wäre Moshe Feldenkrais zu nennen und auch russische Schüler, die dann im zaristischen Russland das „Sambo“ entwickelten. Das heutige „Ju-Jitsu“ oder „Jiu-Jitsu“ ist ein Mix div. Asiatischer Kampfstile und enthält auch Elemente des Judo.

Quellen:
Brian N. Watson"Judo Memoirs of Jigoro Kano“ ; Naoki Murata “ Mind over Muscle” ; Syd Hoare “A History of Judo”; .J.Harrisson” The Fighting Spirit of Japan”  und diverse Internetforen



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